Slowenien

Juni 2019 – Am 20. Juni ging es endlich in unser erstes richtiges Reiseland: Slowenien. In Deutschland hatten wir so lange gebraucht, weil wir über Pfingsten noch zu einem Ivecotreffen fahren wollten. Dann haben wir auch noch unser H-Kennzeichen bekommen – aber das ist eine ganz andere Geschichte. Also waren fast drei Wochen vergangen, bevor wir das erste Mal eine Grenze überquert haben! Durch Österreich schnell hindurch (wir sind natürlich zu schwer und wollen nicht riskieren, auf die Waage zu müssen) und mit Zwischenübernachtung in Tirol sind wir endlich in Slowenien angekommen. Unser erstes Ziel ist der Triglav Nationalpark. Durch 50 (!) feinste Haarnadelkurven fahren wir den Pass hoch und mit qualmenden Bremsen wieder runter. Imposante Berge, tiefe Schluchten, unglaublich schön! Im fetten Gewitter parken wir mitten im Nationalpark für die erste Nacht (auf einem Campingplatz, wild Campen ist im NP verboten) und machen uns am nächsten Tag auf eine Wanderung. Der Weg führt uns – fast alleine – am Soça Fluss entlang zur Quelle, durch eins der schönsten Täler Europas. Das Wasser der Soça ist glasklar und eiskalt, und die tiefblaue Quelle liegt nach einer kurzen Klettersteigpassage in den Felsen. Nach 15 Kilometern qualmen auch die Füße und wir freuen uns auf ein kühles Getränk und natürlich Cevapcici. Das nehmen wir mit unseren Nachbarn ein, ein junges französisch-amerikanisches Paar, das ultraleicht wandernd reist und seit einigen Tagen in den Bergen unterwegs ist.

Ob Handauflegen hilft?!


Weiter geht es für uns nach Tolmin auf einen weitläufigen Campingplatz. Wir finden ein tolles Plätzchen ganz am Ende direkt am Fluss und richten uns für ein paar Tage hier ein. Das Wetter ist ein Traum (die Mücken leider nicht) und wir verbringen die Zeit mit Kajak fahren und einem unglaublich anstrengenden Ausflug: Mit unseren Klapprädern machen wir uns auf den Weg zur Tolminka Schlucht. In diesem Land geht es irgendwie IMMER bergauf, also sind wir schon gut aus der Puste, als wir dort ankommen. Die freundliche Ticketverkäuferin schaut uns an und fragt nur, was wir denn weiter vorhaben – nach der Schlucht wollen wir noch eine „kleine“ Wanderung machen. Sie schüttelt den Kopf, zeigt hinter uns auf einen Trampelpfad in den Wald und sagt, wenn wir dort 15 Minuten das Rad hochschieben, würden wir uns einige schlimme Steigungen sparen und dann wäre es nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt. Und – eindringlicher Blick – „Rrrrememberrr! When you go down, the wind blows in yourrr face!“ Alles klar, dem Tipp folgen wir! Aber erstmal in die Tolminka Schlucht, wieder wenig Touristen und eine traumhafte Landschaft. Wieder zurück die Klappräder eingesammelt – „Rrremembeerrrr!“ – den Wald hochgeschoben (gefühlte 20 Grad Steigung) und bis zum Wanderpunkt gestrampelt. Der Rundweg ist eine Wucht! Vorbei an alten Bunkern, durch den Wald mit Karstfelsen, Almwiesen mit Kühen, übersät von Blumen, und einer handbetriebenen Brücke über die Tolminka und dann Gottseidank nur noch bergab bis hinunter ins Camp (mit dem versprochenen Wind). Vollkommen erledigt futtern wir einen monströsen Burger, wanken in die Dusche und kippen tot ins Bett. Let‘s never do this again! Jetzt wissen wir, wieso uns die ganzen superausgerüsteten E-Mountainbike-Fahrer uns immer so mitleidig anschauen! Mit leuchtenden Augen lassen wir das Soçatal hinter uns und nehmen uns vor, dorthin auf jeden Fall wieder zurückzukommen. Vollkommen zu Recht eines der schönsten Täler Europas!

Wenn der Weg für den Selbstauslöser zu weit ist …


Die nächste Station ist Ljubljana, die Hauptstadt. Ein wahrer Augenschmaus! Prachtvolle Häuser bestimmen das Bild der durch Krieg unzerstörten, komplett unter Denkmalschutz stehenden Altstadt, die Ljublanica schlängelt sich durch die Stadt, gesäumt von unzähligen Cafés. Die kulturelle Szene ist sehr lebendig, alljährlich finden eine Vielzahl von Festivals statt. Als wir dort sind, ist es gerade Klassik – von unserem Stellplatz etwas außerhalb konnten wir mit einem Boot in die Stadt fahren, und dabei spielte ein Streichertrio klassische Musik. Eine wunderbare Stimmung! In der Stadt schlendern wir durch die Gassen, schauen uns den Wochenmarkt an, bewundern die Architektur, die Kunst und trinken ein entspanntes Glas Rosé am Flussufer. Das alternative Künstlerviertel Metelkova steht am nächsten Tag auf dem Programm. Auf einem ehemaligen Kasernengelände leben Künstler, Studenten und Aktivisten, die Wände sind mit tollen Graffitis geschmückt und unzählige Skulpturen stehen auf dem Gelände. Nach einem schönen Abend in der Stadt geht es für uns nach drei Tagen weiter Richtung Westen.


Nach einigen Irrfahrten – unter anderem mussten wir bei einem traumhaften Platz an einer offenen Hütte umkehren, da gerade an dem Abend eine Gruppe von Jägern zum Festessen (Schwein am Spieß) zusammenkam – finden wir ein nettes Plätzchen an einem See. Ein absolutes Highlight wartet aber am nächsten Tag auf uns: Olaf hatte von einem See gelesen, der eigentlich gar kein See ist, sondern nur bis im Frühjahr durch nicht versickerndes Wasser entsteht. Obwohl wir schon im Frühsommer sind, haben wir Glück: Eine weite Flusslandschaft erstreckt sich vor unseren Augen. An einer Brücke richten wir uns für ein paar Tage ein und pumpen das erste Mal unser Kajak auf. Bei schönstem Sommerwetter können wir Schwimmen, Angeln, Wäsche waschen, Kajak fahren, Grillen und mit unseren Fahrrädern diesmal durch die flache Landschaft fahren. Von drei Anglern, mit denen wir ins Gespräch kommen, erfahren wir, dass die Gegend voller Bären ist und das Wasser zum Trinken aufsuchen. Eines Morgens stehen wir daher um vier Uhr auf und versuchen unser Glück – bis auf ein einzelnes Reh können wir aber nichts entdecken, Wahrscheinlich sitzt die Mutter mit ihrem Jungen um die nächste Kurve und lacht sich ins Fäustchen! Einen Abend verbringen wir in der nächst gelegenen Dorfkneipe mit einem der Angler, der sich als ehemaliger Formel 1 Journalist herausstellt und einiges zu erzählen hat. Den hiesigen Schnaps müssen wir natürlich auch kosten, zusammen mit selbst gemachter deftiger Wurst.


Nach vier traumhaften Tagen verlassen wir dieses Paradies und machen uns auf den Weg zu unserer letzten Station, der Postojna Tropfsteinhöhle. In dem Karstgebiet befinden sich die zweitgrößten für Touristen erschlossenen Höhlen der Welt und die größte in Slowenien. Das Höhlensystem ist insgesamt 24 km lang, fünf Kilometer sind für Toutristen erschlossen, davon werden 3,5 mit dem Zug zurückgelegt. Die Höhlen gliedern sich in verschiedene Ebenen, an der tiefsten Stelle ist man 1000 Meter unter der Erde. Am Anfang kann man sich verschiedene dort lebende Tiere anschauen, u.a. Exemplare des Grottenolms. Die Zugfahrt führt durch unterschiedliche Säle, im Kristallsaal finden auch Hochzeiten und Konzerte statt. Zu Fuß geht man durch gigantische kathedralenartige Höhlen, unzählige Tropfsteine bilden die riesigen Formationen. Wir waren schon in vielen Höhlen, aber das ist definitiv eine der beeindruckendsten! Der ganze Rummel und kommerzielle Betrieb darum ist zwar abschreckend und die Preise definitiv auch, aber der Besuch hat sich gelohnt.


Zum Abschluss unseres traumhaften Trips stehen wir hoch oben am im Schatten eines Funkmasts im Drei-Länder-Eck Slowenien, Kroatien und Italien, sehen über Venedig im Gewitter die Welt untergehen, und nehmen uns fest vor, nach Slowenien noch einmal für einen längeren Besuch zurückzukehren!

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