Welcome to Iran!

Oktober 2019 – Als 12. Land wartet der Iran auf uns. Ein bisschen aufgeregter als sonst fuhren wir in Armenien die letzten Kilometer die Straße entlang – beim Wort „Iran“ kommen einem viele Bilder in den Sinn, und was davon stimmt wirklich? Was erwartet uns in dem Land? Ich hatte mich schon vorbereitet und trug ein langärmeliges Kleid über einer langen Hose und Kopftuch. Vor der armenischen Grenze stauten sich Schlangen von LKWs, PKWs suchte man vergebens. Wir hatten keine Ahnung, wo es hingehen sollte, wurden dann aber an der langen Schlange auf der Gegenfahrbahn vorbeigewunken und standen vor dem ersten Kontrollposten. Die Armenier begrüßten uns freundlich, ein kurzer Blick in die Papiere und dann durften wir weiterfahren. Menschenmengen kamen uns beladen mit großen Säcken entgegen, der Warenaustausch auf dem Landweg scheint zu funktionieren. Am nächsten Kontrollpunkt musste ich wieder aussteigen und zu Fuß gehen, die Ausreise aus Armenien war problemlos, und dann hieß es warten. Durch den Zaun sah ich Olaf mit Oscar und einem armenischen Zöllner, der allen Ernstes unser Auto bei der Ausreise komplett durchsucht hat und nachher tatsächlich nach „Piff Paff“ fragte. Ähm, klar! Irgendwann war er zufrieden und Olaf konnte aus Armenien ausreisen.

Dann wartete die Einreise in Iran: Wir sollten Oscar stehen lassen, zu Fuß einreisen, den Carnet abstempeln und dann wieder zurück kommen. Klingt einfach, bis zum Carnet war es das auch: Der Grenzer schaute mich an, strahlte, sagte „Welcome to Iran“, und drin waren wir. Der Carnet gestaltete sich schwieriger, nachdem wir uns wir bei Asterix fühlten und an jedem Schalter wieder zum nächsten und zurück geschickt wurden, hatten wir dann irgendwann alles zusammen und konnten Oscar abholen und dann losfahren. Der Zöllner hat nur einen kurzen Blick in den Wagen geworfen und uns eine gute Reise gewünscht. Alle Bedenken, was das Durchsuchen anbelangte, waren unnötig.! Das Ganze hat ca. 2,5 Stunden gedauert. Die letzte Whats App mit armenischem Netz geht nach Hause, dass alles gut ist, und dann ab in die Wechselstube. Für 500 Dollar bekamen wir sagenhafte 54 Millionen Rial, das kann heiter werden … die Iraner rechnen mit Toman, das sind 10.000 Rial. Als ob die Summen nicht schon verwirrend genuf wären. Ich komme mir vor wie bei Monopoly!

Die erste größere Stadt, die wir erreichten, ist Marand. Hier wollten wir „mal kurz“ versuchen, eine SIM Karte zu kaufen. Nach dem ersten Vorgeschmack auf den irrsinnigen iranischen Stadtverkehr parken wir an einem Platz und machen uns zu Fuß auf den Weg. Im Irancell Laden treffen wir auf Yashad, einen jungen Iraner, der im Cafe gegenüber arbeitet. Er hat über 800 Radfahrer über Warm Shower beherbergt und schließt mal eben einen Prepaid Vertrag auf seinen Namen ab – „because it is easier for you“. Die erste Begegnung mit der unglaublichen Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Iraner, und wir sind sprachlos und direkt völlig hin und weg. Im Cafe trinken wir einen ausgezeichneten Cappucino und unterhalten uns eine Weile. Yashad erzählt uns, dass er gerne auch reisen möchte, aber erst 2 Jahre Militärdienst absolvieren muss, bevor er einen Pass bekommt. Die politische Situation derzeit macht das alles auch nicht viel einfacher – „for you, we are all terrorists“. Wir erzählen, dass wir uns schon lange auf den Iran freuen und versuchen werden, allen zu erzählen, wie falsch das allgemeine Bild vom Land ist. Also macht euch auf etwas gefasst 😉

Herzlicher Empfang

Wir verquatschen uns etwas und müssen im Dunklen einen Schlafplatz finden, ein nicht so einfaches Unterfangen, zumal uns das gute Wetter im Stich gelassen hat und es wie aus Strömen regnet und übelst stürmt. Wir schlagen uns am Ende in die Büsche und verbringen eine schaukelige Nacht.

Tabriz ist die nächste große Stadt, die wir uns erstmal anschauen wollen: Der Historische Basar steht auf dem Programm. Er gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und gilt als größter überdachter Bazar der Welt. In den Gängen kann man sich wunderbar treiben lassen und die Menschen bei ihren Geschäften beobachten. Auch hier wurden wir mindestens fünfmal gefragt, wo wir herkommen, in Gespräche verwickelt und immer heißt es: Welcome to Iran!

Der Historische Basar in Tabris

Auf dem Rückweg zum Auto werden wir von einem älteren Mann gestoppt: Mr. Ali sprach uns auf der Straße an und lud uns in seinen Shop zu einer Tasse Tee ein. In seinem winzigen Laden repariert er seit 55 Jahren Nähmaschinen. Aber vor allem sammelt er Begegnungen mit Reisenden – über 8.000 Menschen haben schon in dem kleinen Raum bei Tee und Schokolade gesessen, erzählt und in eins seiner Notizbücher einen Gruß geschrieben. Das Lächeln dieses kleinen Mannes erhellt den ganzen Laden, den er mit Geschichten aus der ganzen Welt füllt. Eine Begegnung, die unser Herz noch eine Weile erwärmen wird.

Am nächsten Tag machen wir uns auf in Richtung Südosten: Das Wetter ist grauslig, es ist kalt, stürmisch, regnet und macht keinen Spaß. Dazu kommen die weiten Wege: Auf der Karte sieht es nach einem entspannten Tag aus, in Wahrheit sind es 450 km und 6 Stunden Fahrt. Das Land ist riesengroß, die Distanzen enorm. Wenigstens die Autobahnen sind gut, und wir müssen nicht einmal Autobahngebühr zahlen: Wieder heißt, es, Welcome to Iran!

Die Ali Sadr Cave ist unser nächstes Ziel. Die Wasserhöhle ist eine der größten der Welt, und zur Hochsaison tobt hier der Bär. Wir sind jedoch fast allein und werden mit einer Gruppe Iraner von einem Tretboot durch die Höhle gezogen. Wir haben ja schon einige Höhlen gesehen, aber so unaufgeregt waren wenige: Die beeindruckenden Formationen und riesigen Kuppelsäle werden nur dezent ausgeleuchtet, nach der Bootsfahrt man kann in aller Ruhe einen Kilometer durch die Höhle laufen und Fotos machen, bevor es mit dem Böötchen wieder zurück zum Anfang geht. Ein Spitzenausflug!

Es ist noch nicht spät und nach einem leckeren Mittagessen mit Gratismassage im Restaurant für Olaf von einem ehemaligen Boxer beschließen wir, noch ein paar Stunden weiterzufahren Richtung Kashan. Wir wollten vor Einbruch der Dunkelheit einen Platz für die Nacht erreichen und ohne Hektik parken. Soweit die Idee: Auf der Autobahn werden wir von einem winkenden PKW überholt und zum Anhalten aufgefordert. Das junge Paar möchte uns unbedingt zu sich nach Hause einladen, es sei nur ein paar Kilometer entfernt. Wir überlegen kurz und denken, wir haben ja Zeit, und fahren hinterher. Nach kurzer Recherche ergibt sich aber, der Ort ist ganze 25 km in die Richtung zurück, aus der wir gekommen sind! Wir drehen wieder um, da wir den Wagen sowieso aus den Augen verloren hatten. Sie uns aber nicht, und die große Enttäuschung macht uns ein riesiges schlechtes Gewissen. Mittlerweile wurde es schon wieder spät, und wieder müssen wir im Dunkeln etwas zum Schlafen finden.

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