Oman – Wadis, Wüste, Weihrauch und Kamele

Dezember 2019 – Nach den zwei Wochen in den Emiraten freuen wir uns nun auf den Oman – der ruhigere, ursprünglichere Nachbar auf der arabischen Halbinsel. Der Grenzübertritt ist fast problemlos bis auf die üblichen Schwierigkeiten mit dem Carnet de Passages, aber nach ein paar Stunden sind wir im Oman angekommen. Da es mittlerweile schon Nachmittag geworden ist, fahren wir nur noch bis zum nächsten Strand und stellen uns dort in die Nähe eines Parks. Nach den schlaflosen Nächten in den Emiraten freuen wir uns auf eine ruhige Nacht, und wir werden nicht enttäuscht! Zwar vertreiben uns urplötzlich mit Einbruch der Dunkelheit unter einem Felsen hervorkriechende Riesenameisen von unserem ersten Stellplatz, aber die weitere Nacht verläuft erfreulich ereignislos.

Unser Plan ist es, entlang der Küste langsam bis hinunter in den Süden zu fahren und dann auf dem Rückweg Muscat zu besuchen. Wir überqueren die Berge des Hajar Gebirges und finden einen Stellplatz in einer traumhaften Oase, dem Wadi Sudari. Der Oman ist berühmt für seine zahlreichen Wadis, die das Land durchziehen. Glücklicherweise führte dieser auch Wasser, und wir beschließen, direkt zwei Tage hierzubleiben. Baden in dem kleinen Naturpool, Wäsche waschen, etwas Yoga und sogar der gegenseitige „Friseurbesuch“ füllen unsere Tage, in denen wir erstmal tief durchatmen und die Ruhe und Natur genießen. Die omanischen Nachbarn kommen am nächsten Tag vorbei und schenken uns eine frisch gegrillte, köstliche Makrele. Auch in diesem Land wird Gastfreundschaft groß geschrieben, und die Omanis sind generell unglaublich nette, hilfsbereite Menschen.

Weiter führt der Weg über den Berg Richtung Nizwa. Wir schauen uns eine historische (verfallene) Lehmstadt und ein altes Bergdorf mit traditioneller Lehmbauweise an, sind jedoch der Ansicht, dass das Dorf vom Aussichtspunkt gegenüber irgendwie besser wirkt (jaja, Banausen!) und machen uns kurzerhand auf den Weg zum Wadi Tanuf. Unsere Reisefreunde Alex und Sabine waren zwei Wochen zuvor mit ihrem Landrover dort gewesen und hatten tolle Bilder von Wasserdurchfahrten geschickt. Leider zeigte sich der Wadi uns von seiner ausgetrockneten Seite, jedoch machen die riesigen Staumauern doch etwas Angst und uns ganz deutlich: Wenn es regnet, wird das zur tödlichen Falle! Wir fahren erstmal tiefer in den Wadi, der mit Einheimischen zum freitäglichen Picknickausflug bevölkert ist. Tief schlängelt sich das Flussbett durch die hoch aufragenden Felswände und wir suchen uns einen schönen Platz etwas oberhalb des Flussbetts. Unsere goldene Regel: Niemals im Wadi stehen, und immer alles ins Auto räumen! Da genau für den Tag Regen angesagt ist, fragen wir vorsichtshalber einen vorbeikommenden Einheimischen, ob er wohl meint, dass wir dort sicher stehen können. Er schaut uns an, als hätten wir den Verstand verloren, und schüttelt den Kopf. „This is Wadi! This is dangerous! Rain is coming!“ Alles klar, dann fahren wir wohl wieder …

In Nizwa schauen wir uns erst einmal den Souk an und besuchen dann das beeindruckende alte Fort. Es hat raffiniert ausgeklügelte Verteidigungsfallen (so lauern hinter jeder Biegung im Treppenhaus nicht nur Schächte, durch die man mit heißem Dattelsaft überschüttet wurde, sondern auch tiefe Fallgruben, wenn man das halbwegs unbeschadet überstanden hat). Wenig überraschend ist das Fort niemals eingenommen worden und wir lernen eine Menge über diese omanische Festung.

Im Oman ist es glücklicherweise leicht, einen Stellplatz zu finden. Camping ist überall erlaubt und man kann nicht gerade behaupten, dass das Land dicht besiedelt ist. So stellen wir uns abseits der Hauptstraße irgendwo zwischen die Berge und sind angesichts des einsetzenden Dauerregens am nächsten Tag froh, dass wir aus dem Wadi rausgefahren sind. Wir konnten uns nicht vorstellen, wo das ganze Wasser herkommen soll, vor dem uns auch Schilder an der Straße warnen: „Stop if water is at red“. Innerhalb eines halben Tages sehen wir von den uns umgebenden Bergen Wasserfälle herunterfließen, die sich im Tal sammeln. Durch die wochen-, teils monatelange Trockenheit kann es nicht versickern, und dann entstehen diese gigantischen Überflutungen. Dies konnten wir in Nizwa, unserem nächsten Stopp, eindrucksvoll beobachten: Der Parkplatz war kniehoch überflutet, was die Einheimischen gerne auch zum Waschen ihrer Autos nutzen.

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