Indien – in Kerala die Küste entlang

Januar/Februar 2020 –Der südlichste Punkt Indiens, Kanyakumari, war auch unser Umkehrpunkt. Kanyakumari selbst ist für Touristen unseres Erachtens nur einen kurzen Ausflug wert; wir verbrachten dort zwei Tage und können immerhin mit dem Besuch in der abgeranztesten Bar, die wir jemals gesehen haben, aufwarten. Außerhalb der Touristenbadeorte gibt es keinerlei Möglichkeit, sich mal nett mit einem Kaltgetränk irgendwo hinzusetzen – nicht nur, was Alkohol angeht, sondern generell gibt es einfach keine Bars, Cafés, Restaurants oder ähnliches, um sich abends die Zeit zu vertreiben. Die lizensierte „Hotelbar“ war ein Etablissement der besonderen Sorte im Keller eines Hotels – auch hier hatte sich garantiert noch nie eine Frau hineingewagt. Offene Decken, aus denen allerlei Kabel, Rohre und sonstige Baumaterialien hingen, hinter der Theke ein Riesenberg Schutt, aber superaufmerksame Bedienung, kleine Schälchen mit Snacks und Bier für Olaf. Ich habe 1 Stunde an einem Fingerhut Wodka genippt, der mich bei schnellerem Konsum direkt ins Grab gebracht hätte, und wir konnten ungläubig staunend die Trinkgewohnheiten der Inder beobachten: Reinkommen, ein Piccolöchen Rum bestellen, halb/halb in einem Wasserglas mit Wasser mischen, auf Ex trinken. 20 Minuten, Flasche leer. So sieht das aus!

Geht doch nichts über ein bisschen Atmosphäre!
Zeitvertreib im Wachsfigurenkabinett. Zum Glück habe ich meine Supermannunterhose an!

Von Kanyakumari machten wir uns dann auf, entlang der Westküste von Kerala bis zu unserem letzten Punkt Kochi zu fahren. Außerdem war die wichtigste Aufgabe, Emily wieder zu verkaufen – schweren Herzens müssen wir sie zurücklassen, da ein Export aus Indien unendlich teuer und kompliziert ist. In Kovalam starteten wir den ersten Versuch, verbrachten drei entspannte Tage am Strand, kauften allerlei sinnlose Souvenirs und fanden uns ins entspannte Strandleben ein. Mittlerweile war es auch so heiß geworden, dass man sich sogar unter dem Sonnenschirm einen Sonnenbrand holen konnte, und jede unnötige Bewegung wurde damit einfach eingestellt.

Von Kovalam fuhren wir nach Varkala, ein wirklich schöner Strandort – waren in Kovalam noch überwiegend britische Rentner unterwegs, gab es in Varkala genau die richtige Mischung aller Altersklassen. Emily wurde mit einem neuen Verkaufsschild ausgestattet an die Strandpromenade gestellt und wie es so sein soll: Wir treffen auf Ippy, eine Britin, die mit ihrem Mann dort lebt und nach einer Enfield sucht und verkaufen sie glücklich in die besten Hände, die wir finden können!

Ippy ist genauso begeistert von Emily wie wir

Damit sind alle Aufgaben erledigt und für die restlichen Tage unserer Reise geht es noch nach Aleppey, um mit einem Boot durch die Backwaters zu schippern…

… und dann zum Schluss nach Kochi. Hier zeugt die Architektur von der jahrelangen Kolonialherrschaft, durch die Straßen zu schlendern macht riesig Spaß. Zum Abschluss besuchen wir noch eine fabelhafte Kathakali Aufführung. Kathakali ist eine spektakuläre Mischung aus Drama, Tanz, Musik und Ritual. Die Darsteller in prächtigen Kostümen und mit aufwändig bemalten Gesichtern erzählen ohne Worte, aber mit viel Mimik und Mudra-Gestik Geschichten aus den Hindu-Epen Mahabharata und Ramayana. Ein schöner Abschluss für unsere siebenwöchige, fast 8.000 Kilometer lange Indientour.

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