Slowakei (und etwas Ungarn)

Juli 2020 – Nachdem die Einreise nach Serbien ja durch den pingeligen Grenzer etwas erschwert worden war, sind wir nun gespannt, wie das mit der Ausreise und Einreise nach Ungarn klappt. Um es kurz zu machen: Kein Problem! Hinter der ungarischen Grenze wollen wir eine Mautvignette für die Autobahn bekommen. Die Dame im ersten Häuschen zeichnet sich nicht unbedingt durch herausragende Freundlichkeit aus, spricht sofort Deutsch und will nur Euros in Bar. Haben wir aber nicht. Achselzucken und das wars, Hinweis auf Alternativen: Fehlanzeige. Olaf bringt in Erfahrung, dass ein anderes Häuschen wohl Karte akzeptiert, und diese Dame übertrifft ihre Kollegin im Umgangston noch um Längen. Ich bin versucht, ihr vorzuschlagen, sich doch einen anderen Job zu suchen, wenn sie Menschen so dermaßen blöd findet, verkneife mir das aber und gehe grummelnd mit unserer Vignette (30 Euro für 10 Tage, weniger geht nicht) zurück zum Auto. Im nächsten Ort versuchen wir, an einer Tankstelle in Erfahrung zu bringen, wo man sich denn eine SIM Karte kaufen kann – anscheinend ist der junge Mann mit den beiden Damen verwandt … Ohne Karte, aber mit noch größerem Erstaunen fahren wir weiter und scheitern im ausfindig gemachten Telenorladen dann an der vierten, ebenfalls zur Familie gehörenden Fachverkäuferin. So eine Unfreundlichkeit und Unwilligkeit habe ich auf der ganzen Reise noch nicht erlebt. Absolut unglaublich! Wenn das so bleibt, sind wir in zwei Tagen hier wieder weg!

An der Grenze ist Stau. Zum Glück nur für LKWs!

Ungarn macht es uns weiter nicht leicht, das Land ist einfach stinklangweilig. Platt wie eine Flunder, links sind Sonnenblumenfelder neben Kornfeldern und Maisfeldern und rechts sind, genau, Kornfelder neben Maisfeldern und Sonnenblumenfeldern. Eine Nacht sind wir an der Donau, mit schönem Sonnenuntergang, und dann geht es direkt nach Budapest. Diese Stadt ist wirklich prachtvoll, unglaublich gut in Schuss, traumhafte Architektur und extrem sehenswert. Bei 30 Grad erlaufen wir uns einige Sehenswürdigkeiten, kaufen bei h&m diesmal Unterhosen für den Mann und machen uns nach zwei Tagen direkt auf den Weg weiter in die Slowakei. Der Grenzübergang erstaunt uns: Eine kleine Brücke führt über die Donau, in der Mitte sind Schilder: Willkommen in der Slowakei, das wars! Kein Grenzposten, keine Kontrolle, nichts!

Unsere letzten Forint geben wir für ein rieisiges Eis aus und ziehen die ersten Euros seit Monaten aus dem Geldautomaten. Jetzt sind wir gespannt, wie die Slowakei ist! Unsere erste Nacht verbringen wir dann vor der Straßensperre auf einer Brücke, und in der Nacht kommt die ersehnte Abkühlung: Regen und Gewitter verursachen einen Temperatursturz von um die 12 Grad. Erfrischt geht es weiter Richtung niedere Tatra, und ein Picknickplatz wird unser erstes Highlight. Direkt an einem eiskalten Fluss auf einer Wiese gelegen, gibt es eine Feuerstelle, trockenes Holz, Mülleimer und ein Schild, auf dem beschrieben ist, wie man in der Natur No. 1 (kleines Geschäft) und No. 2 (großes Geschäft) machen sollte. (Leider haben wir vergessen, das zu fotografieren). Ein riesiges Lagerfeuer am Abend und am nächsten Tag die erste von vielen noch kommenden Wanderungen durch schönste Natur, freuen wir uns auf eine weitere Nacht, als die Polizei anrückt. Wir stehen im Nationalpark, ob wir denn das Schild nicht gesehen hätten? Nette 10 Euro Gebühr wegen Falschparken und wir müssen weiterfahren (und da gibt es kein Schild!) Okay, auf die Nationalparks sollten wir also wirklich achten!

Auf der Fahrt sind wir überrascht und etwas schockiert von der Verkehrsdichte. Auto an Auto ist gefühlt das ganze Land und dazu noch die Tschechen auf den Straßen unterwegs. Uns schwant, dass die Zeit des einsamen, friedlichen Post-Corona Reisens jetzt ein Ende finden wird … und die Stellplatzsuche zunehmend schwieriger. Eine Zwischenübernachtung an einem passablen Seeplatz mit Milliarden von Mücken (der ambitionierte Angler hatte einen Imkerhut auf) führt uns der Weg weiter gen Osten, zum Beginn der Hohen Tatra in einen Nationalpark. Völlig überrascht sind wir von dem Traumplatz, wo legal Campen und Feuer machen möglich ist! Das und die Tatsache, dass wir ganz allein dort stehen, nutzen wir für ausgiebiges Lagerfeuer und Grillfest. Unsere 11-Kilometer-Wanderung am nächsten Tag ist mit „moderat“ eingestuft und bringt uns steil den Berg hinauf bis zu einer Hütte (zum Glück geöffnet) und ebenso steil wieder herunter. Ein Slowake, der sich in der Wirtschaft um die Ecke an unseren Tisch setzt, meint „Oh, that is an easy one“ (Blödmann ;-)), wir sind ziemlich erschossen und liegen um 9 im Bett.

Am nächsten Tag werden wir um 6:15 Uhr von einem neben unserm Auto Holz hackenden Mann geweckt, eine Stunde später stehen vier Autos um uns herum, laute Musik, die Gulaschkanone auf dem Feuer und das Bier in der Quelle. Achja, und Guten Morgen hat keiner gesagt … angesichts so viel rücksichtsvoller Nachbarschaft packen wir zusammen und verlassen etwas fluchtartig unser kleines Paradies, nicht, ohne der Horde gedanklich den angekündigten Starkregen und Festfahren im Schlamm zu wünschen.

Mit einer Zwischenübernachtung erreichen wir dann das absolute Highlight der Slowkei Reise: Slovensky Raj, das Slowakische Paradies. Dieser Nationalpark trägt den Namen vollkommen zurecht! Auf dem prima Autokamping Podlesok, strategisch gut gelegen am Ausgangspunkt der meisten Wanderwege, stehen wir uns für die nächsten Tage. Unser erster Wandertag wird direkt das Sahnehäubchen des Parks: Die Via Ferrata. Bewölktes Wetter mit etwas Sonnenschein zwischendurch sind perfekte Bedingungen für dies Unterfangen. Mit Klettersteigssets ausgerüstet, machen wir uns auf den etwa zwei Stunden langen Zustieg zum Eingang und biegen prompt direkt am Anfang falsch ab. (Der Park ist hervorragend ausgeschildert, also daran kann es nicht gelegen haben!) Wie wir nachher feststellen, sind wir unseren geplanten Rundweg andersrum gelaufen, ist also alles nicht weiter schlimm! An einer Raststelle mit Kloster machen wir einen kurzen Stopp und wandern dann in engen Serpentinen steil den Berg hinab zum Einstieg der Via Ferrata, die in einer Schlucht über einen Fluss wieder bergauf führt. Zum Aufwärmen geht es zuerst über ein paar leichte Abschnitte mit metallenen Tritten, bevor der eigentliche Klettersteigteil beginnt. Durch traumhafte Natur findet man sich hoch über dem Wasser, steile Wände hinauf, gerade durch enge Spalten hindurch und immer wieder am Boden den Fluss kreuzend, teilweise über aufgestaute Baumstämme den Weg suchend wieder. Der Ausstieg führt senkrecht eine Wand neben einem Wasserfall hinauf, der Ausblick ist grandios und danach läuft es sich langsam durch den Wald aus. Die Via Ferrata ist mittelschwer eingestuft und gut zu bewältigen, die Sicherungen gut und der ganze Weg einfach traumhaft schön. Zurück am Kloster trinken wir ersteinmal ein erfrischendes isotonisches Kaltgetränk und nehmen gerne den angebotenen Leihfahrradservice in Anspruch, der uns in nur 20 Minuten über eine coole Abfahrt (statt 1,5 Stunden laufen) zurück ins Tal und zum Camp führt. So haben wir noch den restlichen Nachmittag, jetzt bei Sonnenschein, zum Entspannen und planen den nächsten Tag.

Die populäre Tour durch die Schlucht „Sucha Bela“ ist unsere Wahl, der Weg beginnt direkt am Camp (und ist wirklich nicht zu verfehlen). Hier sind wir nicht mehr so allein wie in der Via Ferrata, Menschen vor und hinter uns suchen ihren Weg. Über lange Holzleitern und eiserne Trittstufen geht es wieder durch und über einen Fluss, und mit hohen Metallleitern (ohne Sicherung) werden einige Höhenmeter überwunden. Für uns überhaupt nicht nachvollziehbar hetzen die Menschen durch den Weg, wir lassen bestimmt 25 Leute an uns vorbeisprinten und genießen lieber die wieder traumhafte Natur und lassen uns viel Zeit. Am Ausstieg finden wir erneut den MTB Verleih vor und nehmen das Angebot dankend an. Die Abfahrt ist nochmal steiler und anspruchsvoller und ein Riesenspaß!

Unser Fazit: Wenn man in die Slowakei fährt, ist Solvensky Raj ein absolutes Muss und ein Traumziel für jeden Wanderer. Das Angebot überzeugt uns zu 100 Prozent, die Preise sind fair und die Zeit, die man dort verbringt, ein Genuss!

Zipser Burg

An der Zipser Burg vorbei – eine große, UNESCO gelistete Ruine, die aber völlig überfüllt ist und wir daher dankend verzichten – geht es nach Cerveny Klastor an den Fluss Dunajec. Auf dem Grenzfluss zu Polen werden Floßfahrten auf traditionellen Holzflößen durch eine Schlucht angeboten und wir wollen diese Tour mit einem Kajak fahren. Die Ablegestellen für die Flöße sind ein touristischer Horror, Menschenmengen, Souvenirbuden, alles schreit mit großen Schildern nach Aufmerksamkeit, Corona-Maßnahmen Fehlanzeige. Auch ohne dies Einrichtungen, um die wir generell einen großen Bogen machen! Richtung „Rotes Kloster“ (die namensgebende Sehenswürdigkeit) stoppen wir an einem Schild mit Kajakverleih und vereinbaren für den nächsten Morgen, vor dem angekündigten Regen, die Tour. Unerwartet und sehr nett bekommen wir das Angebot, hinten auf der Wiese zu übernachten, und nehmen gerne an. Über die Fußgängerbrücke schlendern wir über den Fluss ins benachbarte Polen, schauen einen Souvenirmarkt an und sind bald wieder zurück am Auto. In der Nacht beginnt es zu regnen und so canceln wir unsere Kajaktour, nachdem das ganze Angebot uns sowieso nicht so wirklich überzeugt hatte.

Das Schloss Bojnic ist mindestens genauso touristisch wie der Fluss, dieser Abstecher lohnt sich hingegen auf jeden Fall! Von französischen Loire Schlössern inspiriert, ist es ein echtes Schmuckstück und die Schlosstour – auf eigene Faust unter Zuhilfenahme eines erstaunlich informativen Flyers – eine Reise durch die Zeit.

Schloss Bojnic

An der Hauptstadt Bratislawa fahren wir dieses Mal vorbei und verlassen nach zwei tollen Wochen die Slowakei und reisen über eine winzige Seitengrenze nach Österreich. Das Land hat uns viel Spaß gemacht und – neben Slowenien – die besten Wanderrouten für uns bereit gehalten. In den Slovensky Raj fahren wir auf jeden Fall noch einmal und erkunden den Rest dieses Paradieses!

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