Georgien – ein überwältigender Start

September 2019 – Im strömenden Regen fahren wir die letzten Kilometer die Küstenstraße der Türkei entlang. 20 km vor dem Grenzübergang Sarpi nach Georgien stehen die ersten LKW Schlangen – uns schwant Schlimmes! Aber zum Glück sind es nur die Lastwagen, die sich in die Reihe eingliedern müssen. An der Grenze fragt der Grenzer, wessen Auto es ist. Ich muss aussteigen: „You drive (zeigt auf Olaf) – you walk!“ Okay ….. Nur mit meinem Pass in der Tasche gehe ich überrumpelt in das futuristische Gebäude, das an einen Flughafentransitbereich erinnert, und folge dem Menschenstrom. Ein Stempel in den Pass, raus aus der Türkei. Ein Stempel in den Pass, ich bin in Georgien! Jetzt nur noch Olaf und Oscar wiederfinden, dann kann es weitergehen. Die beiden erspähe ich vor dem Checkpunkt, den wir ohne Probleme passieren. Die georgische Autoversicherung schnell noch abgeschlossen, und dann fahren wir los.
Wir müssen durch Batumi hindurch, und jetzt wissen wir auch, wieso keine Versicherung Georgien abdeckt: Die Leute fahren wie die gesenkten Säue. Wirklich. Es wird schon dämmerig, darum versuchen wir, zügig durch die Stadt zu kommen. Im Dunklen erreichen wir nach einem anstrengenden Tag den Campingplatz, und werden sofort herzlich von Nika empfangen. Im strömenden Regen und heftigstem Unwetter essen wir unser erstes georgisches Mahl, trinken den Wein und haben in netter Gesellschaft einen wunderbaren Abend. Die Anspannung der Türkei fällt langsam ab, wie uns dieses Land auf Anhieb gefällt!

Am nächsten Tag haben wir Glück: Strahlender Sonnenschein erwartet uns und wir machen uns auf den Weg nach Batumi. Eine großartige Stadt. Die Skyline mit unterschiedlichsten Wolkenkratzern, die Promenade erinnert an Miami, Beachclubs lassen die abendlichen Parties erahnen. Und alles ist SO sauber; nach dem ganzen unerträglichen Müll in der Türkei eine Wohltat. Wir sind völlig begeistert!
Unser Stellplatz am Abend direkt am Meer bietet uns einen grandiosen Sonnenuntergang. Auf einmal kommt ein uralter Corsa um die Ecke gekeucht, ein beleibter Polizist wuchtet sich ächzend aus dem Auto. Er gibt uns zu verstehen, dass wir eine Nacht dort stehen können und will wissen, ob unsere Räder auch abgeschlossen sind, damit Langfinger keine Chance haben. Er würde aber auch aufpassen! Um halb eins in der Nacht hupt uns ein PickUp mit zwei Polizisten aus dem Auto, die uns auf russisch ansprechen. Auch wenn man lauter spricht, verstehen wir es nicht besser … aber „unser“ Corsa kommt angefahren und erklärt wortreich, dass es OK ist, und als wir den Polizisten klarmachen können, dass wir aus Deutschland sind, fahren sie wieder davon. Sein Versprechen, aufzupassen, stellt sich als persönlicher Wachschutz heraus: Er parkt unweit unseres Autos und bleibt die ganze Nacht dort stehen. Dankbar für den Kaffee am Morgen, bekommen wir eine Tüte Feigen zum Abschied geschenkt.

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